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26.05.2010
Neue IMPULS-Studie zur Bewertung von Clusteraktivitäten im Maschinen- und Anlagenbau

Unternehmen, die in Clustern zusammenarbeiten, sind erfolgreicher als Unternehmen ohne Clusterverbund. Staatliche Aktivitäten zur Clusterförderung werden aber kritisch beurteilt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der IMPULS-Stiftung des VDMA.

 

Enge Netzwerke mit Kunden und Lieferanten, Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen im regionalen Umfeld sind ein Erfolgsfaktor des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus. Nunmehr hat auch die Politik die positiven Wirkungen von Clustern entdeckt. EU, Bundesregierung und Landesregierungen initiieren und fördern zunehmend Cluster auch in Bereichen des Maschinen- und Anlagenbaus. Sie sollen die regionale Ballung der Wirtschaft fördern und Kooperationen zwischen Unternehmen sowie mit Forschungseinrichtungen stärken. Mehr Innovation, mehr Wachstum, mehr Beschäftigung – unter diesem Motto hat das BMBF 2007 einen Spitzenclusterwettbewerb ins Leben gerufen. Ziel ist die Umsetzung regionaler Innovationspotenziale in dauerhafte Wertschöpfung.

 

 

Die Studie

Empirisch noch nicht untersucht war die Frage, welchen Bedarf die Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus an derartigen staatlichen Aktivitäten sehen, wer sie organisieren soll und welchen Nutzen sie stiften können. Deshalb hat die IMPULS-Stiftung den Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, Wirtschaftsordnung und Sozialpolitik an der Universität Würzburg beauftragt, Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus über den Bedarf an Clusteraktivitäten und zu den Erfahrungen mit Clustern zu befragen.  

 

 

Wichtigste Ergebnisse

               27 Prozent der befragten Unternehmen sehen sich einem Cluster zugehörig, wobei die relative Häufigkeit in Bayern am höchsten ist, gefolgt von Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.

               Die Unternehmen, die einem Cluster angehören, sind dabei er-folgreicher als Unternehmen ohne Clusterverbund. Sie weisen im Zeitraum 2004 bis 2008 deutlich höhere Zuwächse bei Umsatz und Mitarbeitern auf. Ihre F+E-Quote liegt deutlich über derjenigen von Unternehmen ohne Clusterzugehörigkeit. Sie kooperieren häufiger und intensiver in Forschung und Entwicklung.

 

Dass innerhalb von Clustern intensiver kooperiert wird als außerhalb, liegt auf der Hand und ist per Definition eine Bedingung für ein Unternehmensnetzwerk. Es ist aber notwendig, die Kooperationsbereiche genauer zu untersuchen. Dadurch können zum einem die Bereiche aufgezeigt werden, in denen besonders häufig zusammengearbeitet wird. Zum anderen kann die regionale Entfernung der Kooperationspartner Hinweise geben, auf welchen Feldern es Lokalisationsvorteile gibt und auf welchen nicht. Besonders häufig werden in einem Cluster gemeinsame F+E-Projekte betrieben. Mehr als 80 Prozent der Unternehmen innerhalb eines Cluster kooperieren in diesem Bereich, mehr als die Hälfte mit Unternehmen aus dem engeren regionalen Umfeld.

 

Die Clusterakteure kooperieren nicht nur intensiv mit privaten Unternehmen, sondern auch mit der Wissenschaft. So geben neun von zehn Unternehmen an, dass sie sich mit Universitäten austauschen, mehr als die Hälfte davon mit der nächstgelegenen. Auch dieses Ergebnis deutet darauf hin, das es starke Lokalisationsvorteile in der F+E sowie der Aus- und Weiterbildung gibt.

 

 

Kooperationsbedarf vor allem bei F+E und Ausbildung

Bedarf an Kooperationen mit zusätzlichen Unternehmen sehen die Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus vor allem in Forschung und Entwicklung sowie Aus- und Weiterbildung. 39 Prozent der Clusterakteure geben an, dass sie mehr F+E-Projekte mit zusätzlichen Unternehmen begrüßen würden. In der Aus- und Weiterbildung beträgt dieser Wert sogar 41 Prozent, in der Öffentlichkeitsarbeit 33 Prozent und bei der politischen Interessenvertretung 29 Prozent (Chart 1). Da im Bereich F+E bereits intensiv kooperiert wird, bestätigt dieses Ergebnis die starken Clustervorteile bei gemeinsamen Forschungsaktivitäten. Eine gezielte staatliche Förderung von bestimmten Schlüsseltechnologien wird jedoch überwiegend abgelehnt. Nach Meinung der Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus sollte der Staat stattdessen die Rahmenbedingungen für Clusterbildungen schaffen.

 

 

Gründe für das Scheitern

Immerhin 38 Prozent der Clusterakteure haben Erfahrungen mit gescheiterten Pro-jekten gemacht. Die häufigsten Ursachen sind organisatorische Gründe und ein feh-lender gegenseitiger Nutzen. Obgleich in Clustern bereits intensiv kooperiert wird, scheinen bei der Planung und Kooperation vieler Projekte Ineffizienzen aufzutreten. Deutlich seltener als Scheiterungsgrund wird das Streichen staatlicher Fördermittel genannt.

 

Nach Einschätzung der befragten Maschinen- und Anlagenbauer sollte ein Verband wie der VDMA in den Bereichen Forschung und Entwicklung, der politischen Interessenvertretung und dem allgemeinen Erfahrungsaustausch Clusteraktivitäten entfalten. Bei der Initiierung von F+E-Projekten sehen viele Maschinenbauer Vorteile bei ihrem eigenen Verband und nicht bei staatlichen Forschungseinrichtungen. Die zweit meisten Nennungen gab es für die freie Koordination (siehe Chart 2).

 

 

Wirtschaftspolitische Handlungsempfehlungen

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass staatliche Clusterförderung auch zu Ineffizienzen führen kann. „Die Politik maßt sich Wissen an, wenn sie eine Technologie fördert und die andere nicht“ so die Autoren Prof. Dr. Norbert Berthold und Dipl.-Volkswirt Jörg Rieger. Die Folge seien Mitnahmeeffekte, Rent-Seeking-Aktivitäten, Wettbewerbsverzerrungen und ein Behindern notwendiger struktureller Veränderungen. Die Integration von Kerntechnologien in die industrielle Fertigung müsse den Unternehmen vorbehalten bleiben, genauso wie die Weiterentwicklung von innovativen Produkten bis hin zur Marktreife. Beides solle daher nicht aktiv vom Staat durch Clusteraktivitäten gefördert werden. Das bedeute nicht, dass die Politik bei der Entstehung von Unternehmensnetzwerken tatenlos bleiben soll. Jegliches clusterpolitisches Engagement sollte jedoch auf das vorwettbewerbliche Feld beschränkt bleiben. Dort gebe es zwei Betätigungsfelder für erfolgreiche Clusterbildungen: Setzen von Rahmenbedingungen und Investitionen in Bildung und Grundlagenforschung.

 

Gerne können Sie die Studie kostenfrei bei Frau Annett Peterhänsel (annett.peterhaensel@vdma.org) bestellen.



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